Кавказскій Берлинъ

Nachschlagewerk zur kaukasischen Emigration im Berlin der Zwischenkriegszeit

Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


unternehmen:pension_tempo

Pension/Hotel Tempo

Pension Tempo, ab 1935 Hotel Tempo – Beherbergungsbetrieb des aserbaidschanischen Unternehmers Xudadat bəy Hacıhəsənski und seiner Frau Zinət хаnım Hacıhəsənski.

Geschichte

1928 eröffnet.1) Als Betreiberfirma fungierte ursprünglich die „Pension Tempo Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (8. Mai 1929 ins Handelsregister eingetragen, Gesellschafter: Zinət хаnım Hacıhəsənski und Xudadat bəy Hacıhəsənski), ab 1931 führte Xudadat bəy die Firma alleine unter dem Namen „Pension Tempo Hudadad Hadji-Hassansky“ (ab 1935: „Hotel Tempo Hudadad Mum“) fort.2) Zum Betrieb gehörten erst 48, später 47 Fremdenzimmer, ab ca. 1932 waren es zwischenzeitlich sogar 88 Zimmer.3) Mitte der 1930er Jahre waren 90% der Gäste Ausländer,4) das Hotel war u.a. erster Anlaufpunkt für Studenten und andere Besucher aus der Türkei.5) Nach Einrichtung einer Hotelbar im Oktober 1940, in der auch nach der Sperrstunde Alkohol ausgeschenkt wurde, geriet der Betrieb u.a. aufgrund des Verdachts, Hacıhəsənski würde dort Kuppelei betreiben, ins Fadenkreuz von Polizei und Gestapo,6). 1941 Schließung des Hotels durch die Gestapo, am 9. Juli des Jahres erfolgte die Zwangsversteigerung.7)

Gästebuch

„Die Nacht vorher führte er [ein Leutnant] mich – da um elf die Lokale schlossen – ins Hotel Tempo in der Leibnizstraße. Merkwürdige Zustände: Man mietet ein Zimmer, legt dort Mantel und Hut ab und begibt sich in die »Bar«, wo keine Polizeistunde herrscht. Natürlich kann man das gemietete Zimmer und junge Damen, wenn man dergleichen mitgebracht hat oder an der Theke vorfindet, auch gründlicher ausnutzen. Der Wirt sieht aus wie ein Bordellgrossist. Ein paar Russen singen ihre Lieder. Unter den Gästen fielen meinem Leutnant fünf feiste Zahlmeister (in Oberleutnantsrang) auf, und er stellte ihnen aus Quatsch Peters als seinen Obersten vor. Es wurden sehr viele Hacken zusammengeschlagen.“8) - Erich Kästner über einen Besuch im Januar 1941.

Bilder

Adressen

W15 Kurfürstendamm 59/60

Referenzen


1) LArch A Rep. 358-02 Nr. 5199, Abschrift des Urteils v. 3. Juli 1942, S. 1.
2) LArch A Rep. 342-02 Nr. 51039, Akte, Bl. 4, 9, 18.
3) Vgl. z.B.: Anzeige in: Rul', 29. März 1931, S. 8, Anzeige in: Mitropa-Zeitung. Ausgabe Berlin, Nr. 388b, März 1932 und LArch A Rep. 342-02 Nr. 51039, 14f.
4) LArch A Rep. 342-02 Nr. 51039, 14f.
5) Nachweis einfügen: Türken in Berlin 1871 - 1945: Eine Metropole in den Erinnerungen osmanischer und türkischer Zeitzeugen
6) Vgl. hierzu die Akten der Berliner Staatsanwaltschaft zum Verfahren gegen Hacıhəsənski: LArch A Rep. 358-02 Nr. 5199.
7) Vgl. hierzu die Akte zum Wiedergutmachungsverfahren nach dem Krieg: LArch B Rep. 025-07 Nr. 1073/50, v.a. Schreiben v. Mum v. 26.1.1947.
8) Erich Kästner: Das Blaue Buch (= marbachermagazin 111/112), Marbach 2006, S. 8.

Schlagworte

Empfohlene Zitierweise

Pension/Hotel Tempo, in: Kavkazskij Berlin. Nachschlagewerk zur kaukasischen Emigration im Berlin der Zwischenkriegszeit (https://kavkazskij-berlin.de/doku.php?id=unternehmen:pension_tempo), abgerufen am 2024/06/23 09:30.

unternehmen/pension_tempo.txt · Zuletzt geändert: 2023/01/17 11:58 von js